Rezension: „Kushiel: Das Zeichen“ von Jacqueline Carey

kushiel

Titel: Kushiel: Das Zeichen

Autor: Jacqueline Carey

Verlag: LYX

Seiten: 953 Seiten

Preis: 16,95 € (wird nicht mehr gedruckt)

Genre: High-Fantasy

 
 

Klappentext:

Das Land Terre d’Ange ist ein Ort unübertroffener Schönheit und Anmut. Seine Bewohner entstammen der Verbindung von Göttern und Menschen und leben nach einer einfachen Regel: Liebe, wie es dir gefällt. Die junge Phèdre nó Delaunay ist seit ihrer Geburt mit dem Mal eines Gottes gezeichnet – Kushiels Pfeil, der Segen und Fluch zugleich bedeutet. Phèdre ist eine Anguisette und besitzt die einzigartige Gabe, Lust am Schmerz zu empfinden. Als gefragte Kurtisane am königlichen Hof kommt sie einer weitreichenden Verschwörung auf die Spur, die Terre d’Ange in seinen Grundfesten zu erschüttern droht.

 
Rezension:

Ich habe gekämpft und gelesen und gekämpft und letztlich gesiegt. Dieses Buch hat mich wirklich herausgefordert. Einerseits war es echt spannend und originell geschrieben, aber anderseits musst ich mich auch immer wieder zwingen doch endlich weiter zu lesen. Deswegen habe ich auch so unglaublich lange für das Buch gebraucht, ganze 3 1/2 Wochen.

Es geht um das, zu Beginn noch recht junge Mädchen Phedre, welches von ihren Eltern an das Cereus-Haus verkauft wird. Dies ist zugleich Tempel zu Ehren Naamahs, als auch eine Art Bordell. Nachdem klar wird, dass Phedre eine Anguisette zu sein scheint, jemand der bei Schmerz Lust empfinden kann, kommt sie in den Dienst von Anafiel Delaunay. Dieser wird ihr Mentor und bestimmt durch unvorhersehbare Schicksalsschläge, ihr gesamtes Leben. Ein Leben voller Intrigen, Krieg, Schmerz und Liebe.

Ich muss sage, dass mich der hoch komplexe Aufbau dieser Welt, rund um die Protagonisten, sehr beeindruckte. Welch ein Einfallsreichtum die Autorin da hineingesteckt hat, ist bemerkenswert. Die gesamte Religion ist, in gewisser Weise, an den christlichen Glauben angelehnt. Elua ist sozusagen der Sohn von Maria Magdalena und Jesus und wurde von Gott verstoßen. Er machte sich mit seine Anhängern auf, ein eigenes Land zu besiedeln, Terre D’Ange. Begleitet wurde er von Naamah, welche sich für ihren Herrn prostituiert und dafür noch heute verehrt wird. Im weiteren wurde Elua von Kushiel begleitet, welcher ursprünglich der Vollstrecker Gottes war. Auch Cassiel folgte ihm und kehrte sich als Einziger nicht den weltlichen Gelüsten zu, sonder lebte weiterhin als frommer Geistlicher.

Diese sehr komplexe Religion ist wichtig, um das Leben das die Protagonistin im richtigen Kontext verstehen zu können. Denn ich finde, der Autorin ist eine geniale Charakterkombination gelungen, welche viele andere Schriftsteller leider nicht aufweisen können. Wie schon zuvor erwähnt, ist das Besondere an Phedre, dass sie bei Schmerz Lust empfindet. Wir reden hier nicht von ein Paar Klapsen auf den Allerwertesten. Nein, hier geht es um Schürhaken und tiefe Messerschnitte. Bei so einer Veranlagung sollte man meinen Phedre wäre eine unheimlich unterwürfige Frau, wie so viele Andere, welche aus dem Genre des SM bekannt sind. Aber weit gefehlt, Phedre ist grade deswegen ein oft aufmüpfiger und starker Charakter, welcher sich so gut wie nichts vorschreiben lässt. Dieses Gesamtpaket an Widersprüchen macht sie zu einen der spannendsten Protagonistinnen, die ich je kennen lernte.

Ihr zur Seite steht Joscelin, die wohl unpassendste Person, die man sich vorstellen kann, ein Mönch Cassiels. Welche eine Kombination, die verruchteste Kurtisane des ganzen Landes und ein zum Zölibat verpflichteter Mönch. Die Spannung, die von der ersten Begegnung an, zwischen den Beiden herrschte, war zum verrückt werden. Natürlich ist ihre Beziehung zueinander von vielen Komplikationen geprägt. Joscelin konnte einem da manchmal echt nur leid tun. Als Anhänger Cassiel ist es seine Pflicht, die ihm anvertraute Person zu beschützen, komme was wolle. Nicht leicht bei einer Person, wie Phedre, welche sich ständig in Gefahr begibt. Er ist zwar ein Meister jeglicher Kampfkunst, doch mit den zwischenmenschlichen Interaktionen tut er sich oft schwer. Fest steht jedenfalls, dass die Autorin keinen besseren Gegenpol zu der sehr aufbrausenden Phedre hätte finden können.

Genau so verhält es sich auch mit der großen Widersacherin der jungen Kurtisane. Melisande Shahrizai ist eine Angehörige Kushiels und somit eine Art Domina, umgenau zu sein, sogar die beste ihres Fachs. Wenn nun also eine Domina, welche tief in die politischen Intrigen des Landes verwickelt ist und eine Anguisette aufeinander treffen, kann sich jeder vorstellen, was für ein Pulverfass das ergibt. Die Beziehung der Beiden ist unwahrscheinlich vielschichtig dargestellt wurden, da sie sich auf sexueller Ebene perfekt ergänzen und gleichzeitig völlig unterschiedliche Ziele, für ihr Land verfolgen.

So nachdem ich nun glaub ich zu genüge von den Charakteren geschwärmt habe, welche die Autorin entworfen hat, muss ich allerdings auch etwas Kritik üben. Es gibt große Strecken im Buch, wo es zu ellenlangen politischen Diskussionen und Verstrickungen kommt. Diese zu verfolgen war ,für mich als Leser, nicht grade leicht. Zum Einen kommt man bei der Vielzahl von Namen schnell durcheinander und weiß irgendwann einfach nicht mehr, wer hier grade eigentlich gegen wen kämpft. Und zum Anderen war es schlicht und ergreifend langweilig.

Was ich jedoch noch positiv hervorheben möchte, ist der ungewöhnliche Erzählstil. Ungewöhnlich deswegen, weil ich ihn so noch bei keinem High-Fantasy Roman erlebt habe. Die Geschichte wird komplett aus der Ich-Perspektive von Phedre erzählt, allerdings rückblickend. Dies hat zur Folge, dass es immer wieder Stellen im Buch gibt, wo Phedre andeutet, dass dieses oder jenes, in naher Zukunft, in einer Katastrophe enden wird, was sie aber zum gegebene Zeitpunkt noch nicht wusste. Für den Leser sind solche Hinweise natürlich die pure Qual, da die Spannung noch zusätzlich gesteigert wird. Ein großes Lob also an die Autorin für diesen stilistischen Kniff.

Fazit:

„Kushiel: Das Zeichen“ ist ein Buch voller wundervoller, bis in die Tiefe, ausgemalter Charaktere. Jedoch braucht der Leser einen langen Atem, um den schier endlosen politischen Erläuterungen folgen zu können.

 

3 von 5

 

 

XOXO Puppette

 

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4 Gedanken zu “Rezension: „Kushiel: Das Zeichen“ von Jacqueline Carey

  1. Pingback: Das Buchjahr in 30 Fragen 2014 | Puppette Adora

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  3. Danke für die interessante Buchvorstellung. Ich wollte mir das Buch vor Jahren schon einmal zulegen, war mir aber unsicher, ob es nicht einfach nur ständig um Sex gehen würde. Von deiner Beschreibung her klingt es aber eigentlich nicht danach. Allerdings weiß ich nicht, ob ich den langen Atem habe, den das Buch scheinbar braucht 🙂

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    • Hi!
      Es gibt natürlich einige Sex-Szenen, schließlich geht es um eine Kurtisane. Diese sind aber über 953 Seiten verteilt und somit hält es sich ziemlich die Waage. Zudem würde ich sagen, dass es sich hier nicht um Erotik im eigentlichen Sinne handelt (es sei denn man steht auf Schürhaken ^^) und damit kommen auch die üblichen Floskeln, die man von solchen Szenen her kennt, nicht zum Einsatz.
      Aber ja, man muss teilweise ein eisernen Willen zeigen, um sich durch manche Buchabschnitte zu kämpfen. Zumindest ging es mir so.

      LG Puppette

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